Vor genau 150 Jahren vermass James Nicolson den zunächst als Peak "B", dann als Peak XV und später als Mt. Everest bezeichneten höchsten Berg der Welt. Bei den späteren Datenauswertungen wurde seine Höhe vom damaligen British India Survey mit 8840 m über Meereshöhe bestimmt. Diese Vermessungen erfolgten in den Jahren 1847-1849 durch vertikale Triangulation von sechs Punkten aus, welche über 150 Kilometer vom Gipfel entfernt waren. Unterschiede zwischen Geoid und Ellipsoid waren in dieser Form noch kein Thema und Lotabweichungen der Vertikalen - hervorgerufen durch die Masse des mächtigen Himalaya-Gebirgszuges sowie Refraktionseinflüse der Atmosphäre wurden nur grob berücksichtigt.
Rund ein Jahrzehnt später entdeckten die Vermessungstrupps des British India Survey eine andere Gruppe sehr hoher Berge im westlichen Himalaya. Der höchste davon mit 8611 m wurde als K2 bezeichnet.
In Bradford Washburns hervorragender National Geographic-Karte des Mt. Everest-Gebietes aus dem Jahre 1988, welche photogrammetrisch mit Leica-Luftbildsystemen und Leica-Auswertegeräten in der Schweiz erstellt wurde, ist die Gipfelhöhe des Mt. Everst mit dem jahrzehntelang offiziellen Wert von 8848 m angegeben.
Im Jahr 1987 führte eine Vermutung, dass der K2 sogar höher sei als der Mt. Everest, zur Formierung des EV-K2-CNR-Komitees durch Professor Ardito Desio, dem Leiter jener italienischen Bergsteigerexpedition, welche als erste den K2 bezwungen hatte. Ziel war es, beide Berge neu zu vermessen, um die Wahrheit herauszufinden!
Die Entwicklung genauer elektronischer Distanzmessgeräte und Satelliten-Positionierungssysteme dieses Jahrzehnts erbrachte eine beträchtliche Verbesserung der Messgenauigkeit in Lage und Höhe innerhalb des WGS84 Koordinaten-Systems.
Neuvermessung des Mt. Everest im Jahre 1992
Zur Überprüfung der Gipfelhöhe des Mt. Everest mit den Methoden modernster Technologie erklärte sich anfangs dieses Jahrzehnts von tibetischer Seite das nationale Chinesische Amt für Vermessung und Kartographie (NBSM) bereit. Und der italienische Forschungsrat (CNR) stellte die Bergsteigerteams, welche die Geräte auf den Gipfel brachten, und die Geodäten, welche die Messungen auf nepalesischer Seite durchführen und ihre Daten auswerteten.
Die Besteigung des Mt. Everest war auf September 1992 angesetzt. Da das neuartige GPS-System auf dem Gipfel erstmals mit Umgebungstemperaturen von -40°C konfrontiert sein sollte, wurde gleichzeitig eine Neuvermessung mit klassischen Theodoliten und elektronischen Distanzmessgeräten aus den Tälern vorgesehen. Ein Satz Reflektorprismen war dazu auf der Bergspitze erforderlich, um für die Laser-Distanzmessungen und Theodolit-Winkelmessungen ein eindeutiges Ziel zu schaffen. Der ME5000 von Leica Geosystems, das genaueste Distanzmessgerät (0,2 mm + 0,2 ppm), kam dabei ebenso zum Einsatz wie ein Leica-Präzisionstheodolit T3000 für genaueste Winkelmessungen. Mitgenommen wurde auch ein Leica-Distanzmesser DI3000, das sehr einfach zu transportieren und zu bedienen war.
Bei einer Zieldistanz von 10-12 km zwischen den Talstationen und dem Gipfelpunkt reichten drei Reflektorprismen auf dem Gipfel für die Erzielung guter Messresultate aus. Doch gleichwohl waren zwei solcher Dreierprismensätze erforderlich: einer frontal zur nepalesischen Seite ausgerichtet, der andere Richtung Rongbuk-Kloster in Tibet, von wo aus die chinesischen Geodäten unter Leitung von Professor Jun-Yong Chen mit Theodoliten Wild T2 und Distanzmessgeräten den Gipfelpunkt anzielten. Der Horizontalwinkel zwischen beiden Prismensätzen wurde aus der Karte mit 76° bestimmt, und ihr Neigungswinkel in Richtung Träger mit 12°. Leica Geosystems Schweiz baute nach genau diesen Spezifikationen das Gipfelstativ, dessen Gewicht zehn Kilogramm nicht überschreiten durfte und das in zwei Teilen gefertigt war. Mit Ausnahme des untersten Eisbohrer-Verankerungsteils aus rostfreiem Stahl, wurde das Stativ aus Aluminum hergestellt. Eine weitere Ankerstange diente zur Befestigung der Leica GPS-Antenne.